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Aktuelles

VEBS: Geistlich klar und trotzdem vielfältig

Zu Beginn des neuen Schuljahres feiern die August-Hermann-Franke-Schulen in Hamburg ihr 30-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum eines mittlerweile mehr als 1.100 Schülerinnen und Schüler unterrichtenden und von den Behörden geachteten, wachsenden Schulträgers in einer deutschen Großstadt zeigt: freie evangelische Schulen sind in ihrer Mehrheit keinesfalls „russlanddeutsch“ oder in evangelikale Hochburgen („Bible Belt“) beheimatet, wie dies immer wieder in wissenschaftlichen Aufsätzen zu lesen ist.

Tatsächlich waren (und sind) die ersten vier Gründungen freier evangelischer Schulen in der Bundesrepublik Deutschland (Reutlingen, Bremen, Gießen, Frankfurt) in keiner Weise russlanddeutsch geprägt. Sie nannten und nennen sich auch nicht „evangelikal“ und drei der vier Gründungen lagen auch sicher nicht im „Bible Belt“. (Diese vier Schulen hatten in dem losen Dachverband AEBS (bis 2006) mit einem jeweiligen Vetorecht eine absolut prägende Rolle.)
Ebenso hatten Folgegründungen in den Millionenstädten Berlin (1989, heute mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche) und Hamburg (1992) weder russlanddeutschen noch pietistischen Hintergrund. Vielmehr war es in großen Städten möglich, die Forderung von Grundgesetz-Artikel 7 Absatz 5 zu erfüllen, genügend Christen zu finden, um für ihre Töchter und Söhne eine Schule mit einem gemeinsamen Bekenntnis auf der „gemeinsamen Basis des Glaubens“ der Evangelischen Allianz starten zu können.

Die bald darauf ebenfalls von evangelischen Eltern gegründeten Schulen in Lörrach (1989, heute 2.350 Kinder und Jugendliche, aktuell die größte Privatschule in Baden-Württemberg), Düsseldorf (1990, 1.450), Freiburg (1991, 730) und München (1998, 1.100) wurden sogar in stark katholisch geprägten Städten gegründet, fernab des „Bible Belt“, keine von ihnen hatte oder hat eine russlanddeutsche Prägung.

Obwohl die wissenschaftliche Literatur die freien evangelischen Schulen immer wieder als „russlanddeutsch“ typisiert, findet sich in den Dachverbänden AEBS und später VEBS kein einziger hauptamtlicher Mitarbeiter, der/die russlanddeutschen Hintergrund hat. Im Vorstand des VEBS sind – auch bei großzügiger Schubladisierung – Vertreter „russlanddeutsch“ geprägter Schulträger allenfalls zu einem Drittel vertreten – dies entspricht, gemessen an der Zahl der Schülerinnen und Schüler und Kitakinder – auch in etwa dem Zahlenverhältnis im Verband.

Hinter der Geschlossenheit des Dachverbandes VEBS, die wesentlich auf der gemeinsamen Grundlage der Glaubensbasis der Allianz beruht, gibt es so intern eine bereichernde Vielfalt von Schul- und Kita-Trägertypen – ganz ähnlich der Struktur der Evangelischen Allianz in Deutschland.