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Jubiläumskongress in Detmold:
Dankbar zurückblicken.
Mutig weitergehen.

Am 26. September feierte der Verband Evangelischer Bekenntnisschulen und Kitas (VEBS) in Detmold mit einem festlichen Jubiläumskongress gleich mehrere Meilensteine: das 20-jährige Bestehen des VEBS, das 45-jährige Jubiläum der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Bekenntnisschulen (AEBS), die Verabschiedung von Prof. Dr. Wolfgang Stock aus dem Amt des Generalsekretärs, die Einführung von Jens Geiger als seinem Nachfolger sowie den Wechsel im Vorstandsvorsitz von Peter Dück zu Eduard Reimer.

Blick in den Festsaal in Detmold: Gäste im Vordergrund, auf der Bühne Orchester und Rednerpult vor dem Banner 45 Jahre AEBS – 20 Jahre VEBS
Der Festsaal in der August-Hermann-Francke-Schule Detmold · Foto: Edwin Bill

Der Jubiläumskongress war dabei weit mehr als ein Rückblick auf die Geschichte eines Verbandes. Er machte sichtbar, wie christliche Bildungsarbeit über Generationen hinweg gewachsen ist, Verantwortung weitergegeben wird und Menschen gemeinsam an einem Auftrag festhalten, der sie verbindet: Kinder und Jugendliche auf der Grundlage des Evangeliums zu begleiten.

Ein Gastgeber mit Herz

Der Jubiläumskongress fand auf Einladung des Christlichen Schulvereins Lippe in der August-Hermann-Francke-Schule Detmold statt. Damit war die Veranstaltung beim größten Schul- und Kitaträger des Verbandes zu Gast und zugleich dort, wo Peter Dück die Entwicklung christlicher Bildungsarbeit in Lippe über Jahrzehnte entscheidend mitgestaltet hat.

Dem Gastgeber, Peter Dück, der August-Hermann-Francke-Schule und den zahlreichen Helferinnen und Helfern gilt ein besonderer Dank. Mit großer Gastfreundschaft, hervorragender Organisation und viel persönlichem Einsatz schufen sie einen Rahmen, der dem besonderen Anlass in jeder Hinsicht gerecht wurde.

Den musikalischen Rahmen gestaltete ein rund 50-köpfiges Orchester aus aktuellen und ehemaligen Schülerinnen und Schülern der Schule. Generationen von Lernenden standen dabei gemeinsam auf der Bühne und machten hörbar, was christliche Bildung langfristig bewirken kann.

Streicherinnen und Streicher des Orchesters auf der Bühne vor dem Banner 45 Jahre AEBS – 20 Jahre VEBS
Das Orchester aus aktuellen und ehemaligen Schülerinnen und Schülern der August-Hermann-Francke-Schule · Foto: Edwin Bill

1.275 Jahre christliche Bildung

Einen weiten historischen Bogen spannte Prof. Dr. Wolfgang Stock in seinem Festvortrag. Unter dem Titel „1.275 Jahre christliche Bildung in Deutschland“ erinnerte er daran, dass die Geschichte christlicher Bildung weit vor die Gründung der heutigen Bekenntnisschulen zurückreicht. Ihre Wurzeln reichen bis zu den Klosterschulen des frühen Mittelalters zurück und ziehen sich über die Reformation, die pietistischen Bildungsinitiativen August Hermann Franckes, die Entstehung des Kindergartens bis hin zu den modernen evangelischen Bekenntnisschulen unserer Zeit. Das ganze Vortragsmanuskript kannst du am Ende dieses Beitrags herunterladen.

Am Beispiel des Gastgebers wurde das greifbar: In Lippe begann der Staat erst 1849, selbst Schulen zu betreiben.

„Christliche Schule ist also in Lippe, wie in den meisten Regionen Deutschlands, 1.100 Jahre älter als staatliche Schulen.“

Wolfgang Stock in seinem Festvortrag

Besonderes Augenmerk legte Stock auf die Entstehung der Bekenntnisschulbewegung in den 1970er Jahren. Die gesellschaftlichen Umbrüche nach 1968 führten viele Christinnen und Christen zu der Überzeugung, Bildung wieder bewusst von Jesus Christus her zu denken und Schulen auf einer klaren christlichen Grundlage zu gründen. Stock erinnerte an den Pädagogikprofessor Erich Bochinger, der eine Schulgründung 1967 noch abgelehnt hatte und 1972 zusagte: „Wenn wir als Christen in dieser Situation die Chance haben, eine Schule auf christlicher Grundlage zu gründen, dann müssen wir das tun.“ Aus den ersten Schulgründungen entstand zunächst die Arbeitsgemeinschaft evangelischer Bekenntnisschulen, später der VEBS.

Zeitleiste der evangelischen Schulgeschichte von 700 bis 2026, unter anderem: Bonifatius 723, Klosterschule Fulda 750, Luther 1517 und 1524, Schulordnung Württemberg 1559, Francke 1695, Fröbel 1840, Weimarer Verfassung 1919, Grundgesetz 1949, erste Schule in Reutlingen 1973, Start der AEBS 1981, Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 1992, Gründung des VEBS 2006, 20 Jahre VEBS und 45 Jahre AEBS 2026
Die Zeitleiste aus dem Vortrag von Wolfgang Stock. Großansicht

Was mit wenigen mutigen Gründerinnen und Gründern begann, ist zu einer deutschlandweiten Bewegung geworden: Heute gehören Schulen und Kitas an zahlreichen Standorten zum Verband.

Große Deutschlandkarte der Freien Evangelischen Schulen und Kitas im VEBS, im Vordergrund Gäste
Die Karte der Freien Evangelischen Schulen und Kitas im Verband, beim Kongress aufgestellt · Foto: Edwin Bill

Christliche Bildung in Deutschland, Europa und der Welt

Die Grußworte machten deutlich, dass die Arbeit der Schulen und Kitas weit über den Verband hinaus wahrgenommen wird.

Per Videobotschaft gratulierte Dorothee Feller, Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie würdigte die Prägung der Einrichtungen durch den christlichen Glauben:

„Nächstenliebe, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, füreinander einzustehen, sind Werte, die unsere Gesellschaft gerade heute braucht.“

Dorothee Feller in ihrem Videogruß

Sie dankte insbesondere Peter Dück und Wolfgang Stock für ihren langjährigen Einsatz. Der neuen Leitung wünschte sie, dass auch die nächsten 20 Jahre davon geprägt sind, „junge Menschen stark zu machen für ihr Leben und für unsere Gesellschaft“.

Fabian Backhaus von der Evangelischen Allianz in Deutschland erinnerte an das gemeinsame geistliche Fundament, das Verband und Allianz verbindet. Die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz und das Apostolische Glaubensbekenntnis bilden bis heute die Grundlage vieler Schulsatzungen und stehen für die Einheit in zentralen Glaubensfragen. Dass man sich 1846 in London über alle Unterschiede hinweg auf diese Basis einigen konnte, nannte Backhaus „ein reines Gottesgeschenk“.

Auch aus Europa und darüber hinaus wurden enge Verbundenheit und Dankbarkeit deutlich. Pieter Moens von der European Alliance for Christian Education erinnerte an die langjährige Zusammenarbeit beim Aufbau europäischer Netzwerke christlicher Bildung. Auch wenn man „gegen den Strom der Gesellschaft rudern“ müsse, gelte das Wort Jesu: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Laci Demeter von der Association of Christian Schools International nahm das Motto „100 % Jesus“ auf – „besser geht es nicht“ – und stellte die Dankbarkeit für Gottes Führung in der Vergangenheit, Treue in der Gegenwart und Vertrauen für die Zukunft in den Mittelpunkt seiner Grüße. Beide sprachen auf Englisch und betonten die internationale Bedeutung der deutschen Bekenntnisschulbewegung und ihre klare Ausrichtung auf Jesus Christus.

Dankbarkeit, Demut und Ermutigung

Den geistlichen Mittelpunkt des Tages bildete die Predigt von Prof. Dr. Volker Gäckle, Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell.

Ausgehend von Philipper 1,3–6 sprach er über die Erfahrung, Verantwortung abzugeben und dennoch mit dem Unvollendeten leben zu müssen. Menschen könnten ihr Werk niemals vollendet übergeben. Vollenden könne letztlich nur Gott selbst. Gerade deshalb brauche christliche Bildungsarbeit die Haltungen von Dankbarkeit, Demut und Ermutigung. Zur Dankbarkeit gehöre die Geduld mit kleinen Anfängen: „Gottes Werke wachsen, sie explodieren nicht.“

Zur Demut erinnerte er an den Grabstein von Ruth Graham, auf dem ein Satz von amerikanischen Straßenbaustellen steht: „This is the end of construction. Thank you for your patience.“

„Wir sind und bleiben selbst unvollendete Baustellen […]. Und erst in seiner Ewigkeit wird niemand anders als Gott die Baustelle unseres Lebens vollenden.“

Volker Gäckle in seiner Predigt

Volker Gäckle stellte unter Verweis auf die Resilienzforschung heraus, dass Kinder häufig genau dort Resilienz entwickeln, wo wenigstens eine Person fest an sie glaubt und ihnen verlässlich zur Seite steht – besonders eindrücklich war seine Erinnerung an die prägende Kraft solcher Bezugspersonen.

„Ich bin tief überzeugt, dass der wichtigste Wirkungs- und Segensfaktor christlicher Schulen und Kitas nicht zuerst die Inhalte sind, um die es hier geht. Ich glaube, dass der wesentlichste Faktor eine Lehrerin ist, die an ihre Schüler glaubt, oder ein Lehrer, dem sie vertrauen können.“

Volker Gäckle

Für christliche Schulen und Kitas sei dies ein wesentlicher Auftrag: Kindern und Jugendlichen zu begegnen, sie zu ermutigen und für sie zu beten.

Verantwortung wird weitergegeben

Ein zentraler Gedanke des Tages war die Weitergabe von Verantwortung.

Nach neun Jahren als Generalsekretär wurde Wolfgang Stock verabschiedet. In dieser Zeit hat er die Entwicklung des Verbandes entscheidend mitgeprägt, zahlreiche Schul- und Kitagründungen begleitet, Netzwerke aufgebaut und die Anliegen christlicher Bildung weit über Deutschland hinaus vertreten. Sein besonderes Anliegen war dabei immer, Kinder und Jugendliche mit Jesus Christus bekannt zu machen.

Besonders bewegend wurde die Verabschiedung durch das Team der Geschäftsstelle. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würdigten nicht nur seine Arbeit als Generalsekretär, sondern auch die persönlichen Spuren, die er hinterlassen hat. Mit symbolischen Geschenken erinnerten sie an Eigenschaften und Erfahrungen, die viele mit ihm verbinden: seine Leidenschaft für christliche Bildung, seine Beharrlichkeit, seinen Humor und seine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Jens Geiger wurde zusammen mit seiner Frau Eveline als sein Nachfolger eingesetzt. Peter Dück gab ihm dabei ein Wort aus Nehemia 8,10 mit auf den Weg:

„Die Freude am Herrn ist deine Stärke.“

Nehemia 8,10

Anschließend sprach Berthold Meier Jens und Eveline Geiger einen persönlichen Segen zu.

In seiner Antrittsrede dankte Jens Geiger Berthold Meier und Wolfgang Stock für ihre jahrzehntelange Arbeit und beschrieb die besondere Stärke des Verbandes als Einheit im Kern des Glaubens. Nicht Beliebigkeit, sondern die gemeinsame Ausrichtung auf Jesus Christus verbinde Schulen und Kitas unterschiedlichster Prägung.

Für die zukünftige Arbeit des Verbandes formulierte er einen klaren Anspruch:

„Als Verband wollen wir geistliche Orientierung, fachliche Qualität und rechtliche Verantwortung miteinander verbinden. Nicht als Kontrollinstanz, sondern als Ermöglicher.“

Jens Geiger in seiner Antrittsrede
Gäste im Saal applaudieren, einige stehen
Applaus im Saal · Foto: Edwin Bill

Bewährtes Fundament, neue Verantwortung

Auch an der Spitze des ehrenamtlichen Vorstandes begann ein neues Kapitel.

Eduard Reimer übernahm den Vorsitz des Verbandes von Peter Dück, der den VEBS fast zwei Jahrzehnte lang maßgeblich geprägt und begleitet hat. Nach den herausfordernden Jahren der früheren Arbeitsgemeinschaft trug er entscheidend dazu bei, den Verband zusammenzuführen, neu auszurichten und auf einen gemeinsamen Kurs zu bringen. Für diesen langjährigen Dienst sprach der Verband seinen ausdrücklichen Dank aus.

Die Mitgliederversammlung hatte Eduard Reimer am Vortag einmütig zum neuen Vorsitzenden gewählt. Im Festgottesdienst wurde er in sein Amt eingeführt und gemeinsam mit seiner Frau Natascha gesegnet. Mehr zum Vorstand und zum Team: Vorstand & Team.

Vier Männer in dunklen Anzügen vor dem Banner 45 Jahre AEBS – 20 Jahre VEBS
v. l.: Eduard Reimer, Jens Geiger, Wolfgang Stock und Peter Dück · Foto: Edwin Bill

Dankbar zurückblicken. Mutig weitergehen.

Als der Jubiläumskongress zu Ende ging, blieb vor allem die Erkenntnis, dass die Geschichte christlicher Bildung größer ist als einzelne Personen, einzelne Einrichtungen oder einzelne Generationen.

20 Jahre VEBS und 45 Jahre AEBS waren Anlass, dankbar auf Gottes Führung zurückzublicken. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass der Auftrag derselbe bleibt, auch wenn Verantwortung weitergegeben wird. Menschen kommen und gehen, Leitungsaufgaben wechseln, neue Generationen übernehmen Verantwortung. Doch das Fundament verändert sich nicht.

Mehrfach wurde an diesem Tag daran erinnert, dass christliche Schulen und Kitas ihren Auftrag nicht aus eigener Kraft erfüllen können. Wo Jesus Christus nicht die Mitte bleibt, verlieren auch die besten Konzepte ihre Richtung. Ohne ihn wären wir verloren. Die Hoffnung der Bewegung evangelischer Bekenntnisschulen und Kitas gründet deshalb nicht in Strukturen, Personen oder Erfolgsgeschichten, sondern allein in ihm.

Oder mit den Worten, die mehrfach durch den Tag hindurchklangen: Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit (Hebräer 13,8). Weil er sein Werk baut und vollendet, dürfen wir als Christinnen und Christen dankbar zurückblicken und zugleich mutig nach vorne gehen.

Zum Nachlesen: der Festvortrag von Wolfgang Stock

„1.275 Jahre christliche Bildung in Deutschland“ – das ganze Vortragsmanuskript, 16 Seiten.

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