Ein festlicher Abend
Mit hochkarätigen Gästen aus Politik, Kirche und Bildungswesen feierte die IHL die Eröffnung auf dem Liebenzeller Missionsberg. Die Studierendenband unter Leitung von Abigail Engelfried gestaltete den Abend musikalisch. Am Ende standen der gemeinsame Segen und der Choral „Nun danket alle Gott“, bevor die Feier bei persönlichen Begegnungen im Foyer ausklang.
Warum es diesen Studiengang gibt
Rektor Prof. Dr. Volker Gäckle erinnerte in seiner Begrüßung an den Weg dorthin. Veränderte rechtliche Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg machten das Angebot möglich: die Nachqualifizierungsregelung für freie Schulen und der Direkteinstieg an öffentlichen Grundschulen. Am 22. Dezember 2023 bestätigte das Kultusministerium das Konzept.
Das Studium ergänzt die üblichen Inhalte eines Lehramtsstudiums um eine fundierte theologische Qualifikation. Angehende Lehrkräfte sollen ihren Glauben im Schulalltag authentisch leben, Wertefragen im Klassenzimmer sprachfähig begleiten und ihren pädagogischen Auftrag auf ein christliches Fundament stellen.
Damit antwortet es auf den Bedarf der Bekenntnisschulen. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts muss ihr Schulalltag vom Bekenntnis durchdrungen sein, ohne bei den Qualifikationszielen hinter öffentlichen Schulen zurückzubleiben. Die Landesverfassung verlangt bis heute, die Jugend „in Ehrfurcht vor Gott und im Geiste der christlichen Nächstenliebe“ zu erziehen (Artikel 12 Landesverfassung Baden-Württemberg). In den Niederlanden gibt es eine solche konfessionelle Ausbildung seit Langem, in Deutschland betritt die IHL damit Neuland.
Zwei Wege ins Klassenzimmer
Das Studium gibt es in zwei Varianten. Die dreijährige (sechs Semester) ermöglicht den direkten Einstieg an Freien evangelischen Schulen, verbunden mit einer berufsbegleitenden Nachqualifikation. Die vierjährige (acht Semester) ergänzt im letzten Studienjahr das Fach Sozialwissenschaftlicher Sachunterricht, nach Deutsch und Mathe das stundenintensivste Grundschulfach. Damit erfüllt sie die Voraussetzung für den Direkteinstieg an öffentlichen Grundschulen in Baden-Württemberg. Nach zwei Jahren berufsbegleitender pädagogischer Schulung, vergleichbar mit dem Referendariat, und einem Bewährungsjahr ist dort sogar eine Verbeamtung möglich. Alternativ können Absolventinnen und Absolventen in ein lehramtsbezogenes Masterstudium an einer Pädagogischen Hochschule wechseln.
Aus Spenden gewachsen
Staatliche Mittel gab es für den Start nicht. Die Liebenzeller Mission als Trägerin der IHL hatte deshalb eine klare Bedingung gestellt: Bis zum Reformationstag 2025 mussten 700.000 Euro an Spendenzusagen vorliegen. Dank vieler christlicher Bekenntnisschulen, Stiftungen, Gemeinden, privater Förderer und eines Sponsorenlaufs der Studierenden wurde das Ziel punktgenau erreicht. Inzwischen liegt der Spendenstand bei über 1,22 Millionen Euro des Gesamtbedarfs von rund 1,38 Millionen Euro.
Nach der Akkreditierung im Dezember 2025 wurde die Professur für die Didaktik der deutschen Sprache mit Prof. Dr. Anna Fiona Weiß besetzt, und am 21. September begann das erste Semester. Für die wachsende Zahl von Studierenden stockt die IHL den Heinrich-Coerper-Saal auf: Im Dachbereich entstehen zwei neue Hörsäle mit 108 und 120 Plätzen, wie Thomas Heid, kaufmännischer Geschäftsführer der Liebenzeller Mission, berichtete.
Impulse und Podium
In ihrem Antrittsreferat „Sprache als Schlüssel zur Bildung“ nannte Prof. Dr. Anna Fiona Weiß Sprache das entscheidende Werkzeug des Denkens und des Weltverstehens. Bildungs- und Fachsprache müsse deshalb als Aufgabe aller Fächer verstanden werden. Prof. Dr. Wolfgang Stock, unser früherer Generalsekretär und ein wesentlicher Mitdenker der Initiative, beschrieb freie evangelische Schulen als Bildungs- und Hoffnungsorte in einer nachchristlichen Gesellschaft: als Schutz- und Werteräume, in denen Beziehung, persönliche Zuwendung und tragfähige Orientierung im Vordergrund stehen.
Auf dem Podium sprachen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Praxis über die Bildungskrise. Hartmut Hühnerbein (Wertestarterstiftung) plädierte für ein starkes Schulklima, neugierig machenden Unterricht und eine ganzheitliche Persönlichkeitsentfaltung der Schülerinnen und Schüler. Carl-Christian Hirsch, Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg, würdigte den Beitrag freier Träger zur Bildungsvielfalt und forderte, Sprach- und Methodenkompetenzen schon im frühkindlichen Bereich konsequent zu fördern. Jens Geiger, Generalsekretär des VEBS, berichtete von bundesweit rund 25 aktuellen Schulgründungsinitiativen und verwies damit auf die hohe Nachfrage von Familien nach werteorientierten Schulen. Yvonne Kopp, Grundschulleiterin an der FES Böblingen, hob die Bedeutung der Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Schule hervor. Ingo Rust, Erster Bürgermeister der Stadt Esslingen und Vorsitzender des Hochschulrats der IHL, betonte die Beweglichkeit und Innovationskraft kleinerer, profilierter Hochschulen. Miriam Beck, Studentin im ersten Semester, zeigte sich begeistert vom Studienstart im Nordschwarzwald und davon, wie Fachwissenschaft und Pädagogik hier zusammenfinden.
Zum Abschluss zeigte David Jarsetz, Missionsleiter der Liebenzeller Mission, am Beispiel der Pädagogin Mary McLeod Bethune, wie christliche Pädagogik durch Nächstenliebe, Wertschätzung und das Bewusstsein für die Würde jedes Einzelnen Lebensläufe nachhaltig verändern kann.
Unser Glückwunsch
Eduard Reimer und Jens Geiger haben der IHL am Tag der Eröffnung im Namen des VEBS geschrieben:
„Was wir heute feiern dürfen, ist für uns ein Wunder.“
Eduard Reimer und Jens Geiger im Glückwunschschreiben des VEBS an die IHL
Der Studiengang sei ein Meilenstein für die christliche Bildungslandschaft. Christliche Schulen brauchen nicht nur Gebäude, Konzepte und Finanzierungsmodelle, sondern vor allem Menschen: Lehrerinnen und Lehrer mit fachlicher Kompetenz, pädagogischer Leidenschaft und lebendigem Glauben. Hier würden junge Menschen ausgebildet, „nicht nur zu guten Lehrerinnen und Lehrern, die auch Christen sind, sondern zu guten christlichen Lehrerinnen und Lehrern“. Als Leitwort nannten sie einen Vers aus dem zweiten Timotheusbrief:
„Gib die Botschaft, die du von mir gehört hast und deren Wahrheit dir von vielen Zeugen bestätigt wurde, an vertrauenswürdige und zuverlässige Menschen weiter, die ebenfalls fähig sind, andere zu lehren.“
2. Timotheus 2,2 · Neue Genfer Übersetzung
Der VEBS will den Weg der christlichen Lehrerausbildung auch künftig in enger Verbundenheit begleiten und wünscht den ersten Studierenden, dem Team der Lehrenden und der ganzen IHL Gottes reichen Segen.