Alkohol - Risikofaktor im Straßenverkehr
Warum ist das Thema an beruflichen Schulen wichtig ?
1. Der durchschnittliche Alkoholkonsum nahm bisher mit steigendem Wohlstand jährlich zu. Während 1950 der pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen bei drei Litern lag, fließen heute über 12 Liter reiner Alkohol durch die Kehlen. Umgerechnet macht das für den "statistischen Bundesbürger" (Babys, Kinder, Greise und Ab­stinenzler mitgerechnet) 148 Liter Bier bzw. 28 Liter Wein oder sechseinhalb Flaschen Schnaps.
2.  Alkoholkonsum genießt in unserer Gesellschaft ein hohes soziales Ansehen. Er ist für viele fester Bestandteil des Alltagslebens geworden. Alkohol ist zugleich Nahrungsmittel, Genussmittel, Rauschmittel und Zellgift. Neben Nikotin ist in un­serer Gesellschaft Alkohol die erlaubte Droge.
3. Der Anteil chronischer Alkoholiker an der deutschen Gesamtbevölkerung wird auf ca. 4% geschätzt, die Zahl der Alkoholkranken in Deutschland auf über 100.000.
4. Immer mehr Jugendliche fangen immer früher an zu trinken ( 12 ‑ 13jährige). Bei den 15-16jährigen konsumieren bereits 18 % regelmäßig Alkohol. Bei den 18 -20jährigen 31 Prozent.
5. Junge Menschen sind stärker alkoholgefährdet als Erwachsene, weil sie in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigt sind. und ihr Körper stärker auf Alkohol rea­giert.
6. Alkohol ist in Deutschland zu einem entscheidenden Teil Ursache vieler Ver­kehrsunfälle. Zur Zeit verunglücken etwa 10.000. Menschen pro Jahr tödlich. Hierbei wird die Beteiligung alkoholisierter Verkehrsteilnehmer auf 40 % geschätzt.
  
Mobilität, Discokultur und Trinkverhalten Jugendlicher
 
1. Führerschein zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Zur Zeit besitzen ca. 67 % der 18 -19jährigen den Führerschein der Klasse  B . Bei den 23 - 24jährigen waren es 89 % (Tendenz noch steigend)
2. Die (Auto‑)Mobilität ist zum jugendlichen Standard geworden. Insbesondere ge­genüber Gleichaltrigen besteht für Jugendliche ein starker Druck, durch Verfüg­barkeit über ein Fahrzeug und "fahrerisches Können" einen entsprechenden sozialen Status einzunehmen.
3. Die Disco als "Jugend-Institution":
  In Deutschland gibt es ca. 10.000 Discotheken.
  Bei Jugendlichen ist ein anhaltender Trend zu konsumorientierten, kommerzia­lisierbaren Freizeitbeschäftigungen ausschlaggebend für den Discoboom. Bereits 1979 betrug der Jahresumsatz der BRD etwa acht Milliarden Mark.
4 Disco als Freiraum jugendlicher Selbstverwirklichung:
  Hier kann über den Konsens mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten (peer groups) die notwendige Abgrenzung zur Erwachsenenwelt demonstriert werden
  Hier ist oft der Ort der ersten Partnersuche.
  Hier werden Besonderheiten jugendlicher Gruppenstile nicht nur toleriert; viel­mehr sind sie erwünschter Gegenstand kommerzieller Interessen
  Hier bieten sich vielfältige Kanäle zum Ausleben jugendlicher "Power" und ein Forum zur Selbstbestätigung.
 
5. Alkoholgenuss und "Disco - Kultur":
 
  Ein zentraler Bestandteil der "Discokultur" ist der Genuss von alkoholischen Ge­tränken. Damit werden hier verschiedene jugendspezifische Funktionen verbunden.
  Ein leichter, stimmungsvoller Rausch soll zur Kompensation frustrierender All­tagserfahrungen beitragen. Dazu tragen erhöhte Preise für nichtalkoholische Getränke bei oder alkoholfreie Drinks sind oft nur mit "Schuss" zu haben. 
  Wegen der enormen Lautstärke der Discomusik sind kaum normale Gespräche möglich. Körperkontakt beim Tanzen ist verpönt. Somit stellt das Trinken eine ri­tualisierte Form der gleich‑ und gegengeschlechtlichen Kommunikation dar.
  Trinken bietet ferner die Möglichkeit, mit Geld zu prahlen - "Runden -Schmeißen" und durch Großzügigkeit zu imponieren, was den sozialen Status in der Gleichaltrigen-Gruppe hebt.
  Volltrunkenheit ist verpönt.
 
6. Discofrust und dessen Kompensation:
 
  Jugendliche Jugendliche verbinden mit dem Discobesuch hohe Erwartungen, die aus folgenden Gründen häufig nicht erfüllt werden und dann zu Frust führen:
 - Geldmangel und Nichtbeherrschung subkultureller "Spielregeln" (Outfit, Cool ness, Sprüche, sicheres Auftreten etc.
-  Der erste Anlauf scheitert schon beim Türsteher

-  Unfähigkeit vieler Discofans zu aufgeschobener Befriedigung ("ich will alles und zwar sofort !").

  Kompensation des Frusts und erhöhtes Risiko durch­

- Erhöhten Alkoholkonsum (und Drogen)

- Ausagieren von Aggressionen, z.B. beim anschließenden Autofahren

-  Der "Laden" wird verlassen und der nächste angesteuert. So werden häufig große Strecken unter erhöhtem Risiko zurückgelegt.

 
       Besondere Risikofaktoren bei Disco-Unfällen                        
 
  Erhöhte Blutalkoholkonzentration (BAK) bei Heimfahrten. Zwei von drei Unfall ­ Fahrern hatten dabei durchschnittlich 1,4 %o BAK. 
  80 % der Discounfälle ereigneten seich bei Heim‑ und Pendelfahrten in den frühen Morgenstunden. Ganz besonders hoch ist das Risiko an den Wochenenden. Übermüdung: Zum Zeitpunkt des Unfalles waren die beteiligten Fahrer durch­schnittlich 17,8 Stunden wach.
  Fast die Hälfte (45,8%) der Unfälle wurde von Fahranfängern begangen.
  Überbesetzte Fahrzeuge: Durchschnittlich waren die Unfallfahrzeuge mit 4,3 Per­sonen besetzt. Das heißt, dass häufig wesentlich mehr als die zulässige Perso­nenzahl im Fahrzeug waren. Daraus folgt:
-  Der Fahrer war abgelenkt - Laute Musik - Bombenstimmung an Bord 
-  Die Fahrphysik der überladenen Fahrzeuge überfordert den Lenker
-  Die Rückhaltesysteme konnten kaum genutzt werden
  jugendspezifische "Extramotive" bei den Fahrertypen ("Action‑", "Fan‑" und "Kontra Typ") wie: thrill, Sensationslust, Selbsttestung, Imponierverhalten. Diese Typengruppen sind zugleich auch diejenigen mit dem höchsten Alkoholkonsum.

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